"Wir geben dem Verein ein Gesicht"  (7)

"Wir geben dem Verein ein Gesicht" (7)

01.10.2021

„Deine Matte, dein Reich!“

Neuhof. Montag, 16.30 Uhr, Gymnastikraum im Anbau des Neuhofer Klubhauses: Fünf Damen im Alter zwischen Anfang 30 und Ende 60 machen es sich auf ihren Sitzkissen, platziert auf speziellen Gymnastik-Matten, bequem und richten zugleich erwartungsvolle Blicke auf ihre Yoga-Lehrerin Julia Grotsch. Und die 45-Jährige gibt auch zügig das Motto der 75-minütigen Übungseinheit aus: „Deine Matte, dein Reich. Sucht euch die angenehmste Sitzposition. Ihr sollt euch wohl fühlen. Yoga soll Spaß machen!“

Körper, Geist und Seele ins Gleichgewicht bringen

Yoga bei den „Kirschen“ am Neuhofer Klingenberg: ein neues Angebot des Vereins seit Mitte September. Im Juli, klärt Julia auf, habe es schon mal einen Schnupperkurs gegeben, um Yoga – eine alte, philosophische Lehre aus Indien mit dem Ziel, Körper, Geist und Seele ins Gleichgewicht zu bringen – ein bisschen näher kennenzulernen und eventuell Gefallen an dem „ganzheitlichen Übungssystem“ zu finden. Jetzt bietet Julia, die mit Ehemann und 17-jähriger Tochter in Sibbesse-Westfeld wohnt und im Hildesheimer Wald groß geworden ist, zwei Übungseinheiten jeweils am Montag im Klubhaus-Anbau an, wobei die zweite Einheit um 18.30 Uhr beginnt.

Es gibt diverse Formen und Ausprägungen beim Yoga: Bei manchen steht mehr das Spirituelle und Meditative im Vordergrund, andere fokussieren sich eher auf die Fitness, das körperlichen Wohlbefinden und therapeutische Aspekte bei Beschwerden aller Art.

Yoga-Lehrerin: „Ein bisschen Spirituelles muss schon dabei sein“

Wie handhabt das die 45-Jährige? „Ich glaube, ich habe eine gute Mischung. Mein Konzept ist sicherlich nicht streng spirituell.“ Andererseits, so Julia, müsse „ein bisschen Spirituelles schon dabei sein, sonst können wir ja gleich Gymnastik machen“. Ihr Ansatz sei vor allem, dass „ein gutes Körpergefühl entwickelt wird“ und „sich die Teilnehmerinnen wohlfühlen“.

Wie läuft eine Yoga-Übungsstunde bei Julia ab? „Ich wähle mir immer ein Leitthema aus einem Text über Yoga.“ Meistens beginne sie dann mit besonderen Atemübungen („Zum Herunterfahren und Konzentrieren“), dann folgten oftmals „Traum- und Fantasie-Reisen“ sowie praktische Yoga-Übungen, um zum Schluss der Übungseinheit zur „End-Entspannung“ zu gelangen.

Herunterfahren und den Alltag ausblenden

Für Denise Haake, eine der Kursteilnehmerinnen, bringen die Stunden mit Julia sehr viel: „Ich komme schnell herunter, kann den Alltag ausblenden und sehr gut dabei entspannen.“  Für eine Mutter mit zwei Kindern sicherlich mal eine willkommene Abwechslung. Denise: „Die Zeit habe ich dann nur für mich - und ich genieße es.“

Zuvor hatte die 32-jährige Neuhoferin sich auf YouTube diverse Videos über Yoga angeschaut und die Übungen Zuhause nachvollzogen. Das sei aber letztlich nicht so effektiv wie beim Kurs am Klingenberg, weil „Julia mich auch mal korrigiert, wenn eine Übung nicht ganz korrekt läuft“. Andererseits stehe aber nicht die Perfektion im Vordergrund, sondern der Spaß an der Sache und der Wohlfühlfaktor, ist Denise überzeugt. Und der sei auf alle Fälle da.

Für ihre Yoga-Lehrerin hat sie nur Komplimente übrig: „Julia macht das richtig gut. Sie hat so eine angenehme, ruhige Art und ich bin auch sofort im Thema.“ Auch Julia selbst ist mit dem Feedback der Teilnehmerinnen sehr zufrieden: „Offensichtlich komme ich ganz gut rüber. Ich freue mich natürlich, wenn ich höre, dass sie sich bei mir wohlfühlen und die Stunden ihnen auch etwas bringen.“

Wie kam der Kontakt mit Blau-Weiß Neuhof zustande? Julia, geborene Schlusche: „Ich bin doch bei den Kirschen groß geworden.“ Papa Rüdiger und Bruder Thorsten gehören zur „Kirschen“-Familie. Als sie klein war, habe sie ganz oft bei den Herren-Spielen auf dem Rasenplatz die leeren Flaschen eingesammelt. Da sei immer ordentlich Betrieb gewesen und „das Pfandgeld hat sich dann gelohnt“.

„Yoga hat mein Leben gerettet“

Und wie kam Julia selbst zum Yoga? „Durch meine lange Krankheit, ich bin chronische Schmerzpatientin.“ Als gelernte Arzthelferin mit beruflichen Wechseln in den Pflegebereich und einer Phase als Schulbegleiterin habe sie aufgrund der anhaltenden Beschwerden nicht mehr tätig sein können und sei schließlich nach nervenaufreibender und ernüchternder Ärzte-Odyssee und zig Therapeuten-Besuchen („Das hat richtig viel Geld gekostet“) im Jahr 2017 bei Yoga gelandet. „Durch einen Zeitungsartikel bin ich darauf gestoßen, dass Yoga auch bei Schmerzen sehr effektiv helfen kann. Die Kurse über die Krankenkasse haben mir damals sehr gut getan“, kann sie berichten.

In 2019 habe sie dann, geleitet vom Wunsch, wieder ins Berufsleben einzusteigen, mit der 220-stündigen  Ausbildung zur Yoga-Lehrerin begonnen. Mit der weiteren Qualifizierung im Rahmen einer 500-Stunden-Ausbildung sei sie „fast fertig“. Ihr Ziel: „Ich möchte noch in diesem Jahr die Krankenkassen-Zulassung beantragen.“ 

Julias ehrliches Fazit: „Yoga hat mein Leben gerettet!“

Mit einer schöneren, positiveren Bemerkung kann das siebte Portrait unserer Serie „Wir geben dem Verein ein Gesicht“ nun wahrlich nicht enden.

 

 

                                                                                                                                         Torsten Becker

 

Titelfoto: Yoga-Lehrerin Julia Grotsch (45) bei einer der zahlreichen Yoga-Positionen während einer Übungsstunde im Gymnastikraum.

Bildergalerie: Fotos Torsten Becker

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